Café Schwarzenberg

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Und wieder Jugenderinnerungen! Das Café Schwarzenberg http://www.cafe-schwarzenberg.at/de/index.html – vor seiner Renovierung von den WienerInnen wegen seiner türkis-blauen Wandkacheln auch liebevoll „Café Badwandl“ oder „Dependance vom Dianabad“ genannt, war in den späten 1960er und frühen 1970er Jahren eines der ganz wenigen Wiener Kaffeehäuser (wenn nicht sogar das einzige?), das in der Ballsaison ab 4 Uhr früh geöffnet hatte, und wir traditionell nach einem Ball dort Gulaschsuppe oder Sacherwürstel gegessen haben, um die rauschen Ballnacht würdig ausklingen zu lassen….. Inzwischen gibt es ja mehrere Lokale in Wien, die in der Ballsaison zu früh aufsperren um diese Tradition am Leben zu erhalten.

Heute sieht das Cafe Schwarzenberg http://www.cafe-schwarzenberg.at/de/index.html nach seiner Renovierung ganz anders aus. Nix mehr mit türkis-blauem Badezimmer-Ambiente :-).  Im großen, langgestrecken Hauptraum wurden  die Wandkacheln wurden durch dunkle Holztäfelung, ganz im Stiel der klassischen Wiener Kaffehäuser, ersetzt – und nur das wunderschöne Deckengewölbe ist mit Mosaikkacheln ausgekleidet.

 

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Der kleine Nebenraum, links neben dem Eingang ist noch Original erhalten mit den prachtvollen Lobmeyer Leuchtern, die allerdings nachgebaut wurden, weil sie im Krieg zerstört worden sind. Ein Blick auf die bewegte Geschichte es Café Schwarzenberg ist interessant und spiegelt die Ereignisse der letzten 150 Jahre :

1861 nahm die Ringstraße – schönsten Prachtstraße Europas – gerade Gestalt an, und entwickelte sich zwischen heutiger Oper und Stadtpark zum „Korso“, einer „Flaniermeile“ wie es solche bis dahin nicht gab. Damals wurde das Café Schwarzenberg als heute ältestes Ringstrassencafé eröffnet.Von Anfang an war das Café Schwarzenberg vor allem Treffpunkt der Wirtschaftsleute. Obwohl es im Gegensatz zu anderen Wiener Traditions-Kaffeehäusern nie ein typisches Künstler- oder Literatencafé war,  war der Architekt Josef Hoffmann,  berühmter Begründer der Wiener Werkstätten,  hier Stammgast, ließ sich zur Mittagszeit vom Chauffeur absetzen, um zu essen, die Tageszeitungen zu lesen oder seine Ideen auf kariertes Papier zu bringen (Quatratel Hoffmann). Im Schwarzenberg sind sicher viele seiner außergewöhnlichen Entwürfe entstanden. In Zeiten des 2. Weltkriegs wurde es dann in „Kaffee Deutschland“ umbenannt . Nach 1945 okkupierten Offiziere der Sowjetarmee die Räumlichkeiten für ihre Veranstaltungen und zerschossen die Einrichtung.Ein Relikt dieser Zeit  – Ein Spiegel, bei dem man die Sprünge und Einschusslöcher mit Ranken und Blumenmustern verzierte, und so aus der Not eine Tugend machte – sich bis zur Renovierung 1979. Der Geschäftsführer, Alfred Altenburger, ist in seinem Element, wenn er über die Geschichte spricht und kann so manche Anekdote über berühmte Gäste erzählen, oder das Verhalten empörter Touristen in der Weihnachtszeit, die in solchen Massen in das Café Schwarzenberg stürmen, dass die Türen zeitweilig gesperrt werden müssen und solange  niemand hereingelassen wird, bis Gäste das lokal verlassen, –

Heute ist das Café Schwarzenberg eines der letzten Ringstrassencafés, das die typische Atmosphäre und Tradition eines „Wiener Cafés“ fortsetzt.

Zurück zum Frühstück 😉 Nach einem Blick auf die Karte http://www.cafe-schwarzenberg.at/de/downloads/cafe_schwarzenberg_fruehstueck_Dez_2015.pd f entscheide ich mich auf Grund der Hitze für ein etwas weniger opulentes Frühstück. Ich genieße das Vitalfrühstück mit Avocadodreme, Kräutertopfen begleitet von grünem Tee und Aurelia bestellt ihre Lieblingsspeise „Eier im Glas“- ein typisch wienerisches Frühstücksgericht- die hier wunderschön in einer Glasdose mit Deckel serviert werden! So habe ich das noch nie gesehen!                                                             schwarz14

Mit einer Buttersemmel, die ganz nach Wiener Art bereits aufgeschnitten und mit Butter bestrichen serviert wird. Sehr angenehm! Man spart sich das mühsame Streichen der meist noch kalten Butter, die dann mehr in Stücken auf der Semmel bzw. de, Brot klebt als gleichmäßig verstrichen ist… und einen erfrischenden Obstteller.Schwarz7

Viele Stammgäste sind da und werden vom „Herrn Ober“ auf gut wienerische Art mit Titel angesprochen: Herr Doktor, Frau Magister, Herr Professor, etc.  und viele bekommen nach kurzer Nachfrage ihr übliches Frühstück automatisch serviert. „Frau Professor, – wie immer eine Melange und ein Buttersemmerl?“ Selbstverständlich lese viele der Stammgäste hier  die Tageszeitungen, von denen eine reiche Auswahl auch internationaler Blätter aufliegt. Ich habe es schon immer genossen, in einem Wiener Kaffeehaus stundenlang bei einem Kaffeehaus zu sitzen und meine bevorzugten Zeitschriften und Zeitungen zu lesen. Vor allem als Studentin war das optimal.: Für den Preis einer Schale Kaffee Zeitungen und Zeitschriften in Ruhe zu lesen, die ein Vielfaches gekostet hätten…

 

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Genau das ist ja eine der besonderen Qualitäten des Wiener Kaffeehauses: Lange in Ruhe sitzen, nicht gedrängt werden, frei von Hektik und dem Druck, dass der Tisch wieder frei werden soll….. Gerade in unserer Zeit etwas Besonderes!

 

 

 

 

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